Bernau: 230 Menschen erinnern an Tag der Befreiung

Am Dienstagabend kamen über 230 Menschen in Bernau zusammen, um an die Zerschlagung des nationalsozialistischen Regimes vor 67 Jahren zu erinnern. Mittlerweile hat der 8. Mai in Bernau traditionell drei Stationen:

Am Sowjetischen Ehrenmal wurden Blumen niedergelegt und den sowjetischen Soldaten, die im Kampf gegen die Nazis fielen, gedacht. Am gegenüberliegenden Deserteurdenkmal wurde an jene erinnert, die dem Nazisystem versagten, Widerstand leisteten und Courage zeigten. Abschließend fand ein Festessen auf dem Marktplatz statt, um den Abend in gemeinsamen Gesprächen ausklingen zu lassen und daran zu erinnern, dass es für viele Verfolgte des Nationalsozialismus ein glücklicher und befreiender Tag war.

Aufruf zur Zivilcourage

 „Faschismus ist ein System, das perverser nicht sein kann“, erinnert ein Vertreter der Linken in einem Redebeitrag vor dem Sowjetischen Ehrenmal in der Mühlenstraße. Auch heute, haben wir weiterhin ein Probleme mit Nazis. Es brauche Zivilcourage und ein starkes Bündnis gegen rechte Gewalt, mahnt er. In Bernau gibt es ein solches Bündnis: Das Netzwerk für Toleranz und Weltoffenheit. Das überparteiliche Netzwerk ist auch an diesem Abend dabei, sie haben eingeladen zum heutigen Gedenken. Auch Hubert Handke, Bürgermeister der Stadt Bernau, folgte der Veranstaltung und legte als einer der ersten Blumen nieder. Ebenfalls anwesend waren zwei Vertreter der russischen Botschaft in Berlin. Der Zuständige für Kultur der Russischen Botschaft, erklärte, er empfinde die Einladung für die Gedenkveranstaltung als ein „Zeichen der Solidarität“ und des „Miteinanders“.

Nach den Redebeiträgen ging es auf die andere Straßenseite, dort befindet sich ein Bronzerelief, das allen Deserteure und Kriegsdienstverweigerer gedenkt. In Gedichten und Texten wurde auf die Morde des NSU (Nationalsozialistischer Untergrund) und die „Vergiftung des Klimas“ durch NSU, NPD und Co, aufmerksam gemacht. Engagierte Jugendliche und Erwachsene der evangelischen Kirchengemeinde riefen auf zu mehr Zivilcourage, denn „Wegschauen und Verharmlosung unterstütze die Rechten“. Als mahnendes Beispiel sprachen sie über Dietrich Bonhoeffer, der während des Nationalsozialismus Courage zeigte und Widerstand leistete.

Gleichsetzung der Opfer von Krieg und Gewalt

Das Netzwerk für Toleranz und Weltoffenheit, das zum „mahnenden Gedenken“ aufrief, hatte sich zuvor im Aufruf einen Faupax erlaubt, der in den Redebeiträgen zum Glück nicht mehr zu hören war . Unter anderem hieße es im Aufruf, man solle nicht jene Menschen vergessen, „deren Leid erst mit dem 8. Mai begann“ (den ganzen Aufruf des Netzwerkes hier). Weiter heißt es zwar, dass „zugleich, der sechs Millionen Juden“ gedachten werden solle, doch stellt insbesondere das „zugleich“ im Kontext des Aufrufes eine Relativierung der Verbrechen des Nationalsozialismus dar. Die Opfer des deutschen Vernichtungswahn sind eben nicht gleich mit jenen, die aus den östlichen Gebieten durch die sowjetische Armee gen Westen gedrängt wurden. Es verklärt ebenso die Umstände der Vernichtung und des Krieges durch die Deutschen.

„Spasibo heißt Danke“

In der Bürgermeisterstraße lud der Jugendtreff DOSTO zu Suppe und Kuchen ein. Der 8. Mai ist ein Tag des Gedenkens an die Ermordeten der Shoah, die ermordeten Homosexuellen, Roma und Sinti, Euthanasie-Opfer, „Asozialen“ und politischen Gegner_innen des Nationalsozialismus. Der 8. Mai ist auch ein Tag des Feierns: Wir feiern die Niederlage des deutschen Reiches, das Ende von Mord und Unterdrückung, die Befreiung der Gefangenen aus den Konzentrations- und Vernichtungslagern und danken jenen, die dem brutalen Wahn der Deutschen ein Ende setzten. Die Rote Armee hatte am 20./21. April 1945 unter Führung des Kommandanten Leonid S. Daniljuk die Stadt Bernau auf ihrem Weg nach Berlin eingenommen. Nur wenige Tage später kapituliert das „Deutsche Reich“ bzw. das was noch vom ihm übrig war.