Nazis töten

Redebeitrag der Antifaschistischen Aktion Bernau beim Soli-Konzert für das DOSTO am 13. Juli in Bernau.

Liebe Zuhörer_innen,

eine einfache, aber zu gleich grausame Wahrheit wollen wir in Erinnerung holen: Nazis töten!

Seit 1990 sind nach Zählung der AAS über 180 Todesopfer rechte Gewalt bekannt. Das Land Brandenburg führt die Statistik an.

Heute vor genau 10 Jahren starb der 17-jährige Marinus Schöberl in Potzlow, einem kleinen Dorf in der Nähe von Prenzlau in der Uckermark. Marinus starb nachdem ihn drei Nazis mehrere Stunden gepeinigt hatten – sie flößten ihm gewaltsam Alkohol ein, uriniert auf ihn und schlugen mehrfach auf ihn ein. Die drei Täter schleiften ihr Opfer etwa einen Kilometer durch den Ort hin zu einem Schweinestall. Mit einem sogenannten „Bordsteinkick“ wie er aus dem Film American History X bekannt wurde und durch Schläge mit Steinen, töteten die Nazis Marinus. Die Leiche des Jungen verscharrten sie in einer Jauchegrube neben dem Schweinestall.

Nicht nur die Brutalität der Tat, auch der gleichgültige Umgang des Ortes mit der Tat, ist kaum in Worte zu fassen. Erst ein halbes Jahr später wurde die Leiche entdeckt – und das nur, weil einer der Täter den Hinweis gab. Der selbe Täter hatte bereits in den Wochen zuvor vor Freunden mit der Tat geprahlt. Im Dorf wollte aber niemand etwa gewusst haben und auch Zeug_innen der Tatnacht schwiegen sich aus. Ebenso wurde der politische Hintergrund der Täter und die rechte Dominanz im Ort lange verharmlost.

Heute gedachte die Antifa Prenzlau mit einer Fahrraddemo von Prenzlau nach Potzlow dem Mord an Marinus Schöberl. Der Ort selber schweigt sich weiter aus.

Dieser Redebeitrag sollte sich eigentlich mit den Angreifern des Hussitenfestes und deren politischen Strukturen auseinandersetzen. Wir halten es für anmaßend den Vergleich zwischen den Angriffen auf den Stand des Jugendtreffs und dem Mord an Marinus zu ziehen. Die Angriffe auf den Stand des DOSTOS am Wochenende des Hussitenfestes vor vier Wochen verliefen vergleichweise glimpflich und endete mit leichten Verletzungen einiger Dosto-Jugendlicher. Dennoch dürfen auch diese Angriffe nicht heruntergespielt werden: Es war eine bedrohliche Situation! Doch Zivilcourage und das energische antifaschistische Auftreten gegen die Nazis konnte vermutlich Schlimmeres verhindern. Dieses aktive Hinsehen und Einschreiten gab es im Fall von Marinus nicht.

Bernau war lange verschont von rechter Gewalt: wenige Übergriffe sind aus den letzten Jahren bekannt. An einen jedoch sei erinnert: In der Nacht des 22. Januars 2005 wurde ein Rohrbombenanschlag auf den Jugendtreff DOSTO verübt. Mit viel Glück wurde niemand durch den Anschlag verletzt. Da im Vorderraum eine Party stattfand, müssen wir davon ausgehen, dass die Angreifer Besucher_innen des DOSTOs verletzten wollten. Am selben Tag demonstrierten Nazis des „Nationalen Bündnis Preußen“ ihm Rahmen ihre Kampagne „Kein DOSTO in Bernau“ gegen den Jugendtreff. – unter den Demonstrations-Teilnehmer_Innen: Angreifer des Hussitenfest 2012.

Der Mord an Marinus mahnt uns, die Gewalt von Nazis nicht zu unterschätzen, zu verharmlosen oder in irgendeiner Art und Weise runterzuspielen.

Nazis sind Mörder!

Marinus – Niemand ist vergessen!

PS: Falls sich jemand für die Nazistrukturen interessiert:

Kontaktiert eure lokale Antifa.