Nazipropaganda in Berlin-Buch entfernt

70 Engagierte beteiligen sich an Anti-Nazi-Spaziergang // Bernauer Nazis wollten sich untermischen

Berlin-Buch – Am Samstagnachmittag beteiligten sich ca. 70 Menschen an einem Spaziergang durch den Berliner Stadtteil Buch (Pankow) um Nazischmierereien und Aufkleber zu entfernen. Der Stadtteil im Nordosten wird seit mehreren Monaten mit Massen an Nazipropaganda überflutet. Engagierte Antifaschist_innen, u.a. die Antifa Bernau und die Emanzipative Antifaschistische Gruppe [EAG] Berlin, wiesen mehrfach auf die Naziaktivitäten hin. Maßgeblich organisiert war der Spaziergang am heutigen Nachmittag durch die Linksjugend [´solid] und die Linke Pankow.

Bernauer Nazis wollten stören

Einige Tage vor dem Spaziergang tauchten im Stadtteil Schriftzüge auf, die zu Störaktionen aufriefen. Am Tag selber kam es dann, noch vor dem Start des Spaziergangs, auf dem Bucher Bahnhof zu einem ersten Zwischenfall, bei dem vier Nazis „Sieg Heil“ riefen. Außerdem hatte sich am Auftaktort des Spaziergangs vor dem Bahnhof zwei Nazis unter die ankommenden Linken und Antifaschist_innen mischen wollen. Nachdem sie schon einige Minuten verweilten, wurden sie von aufmerksamen Antifaschist_innen weggeschickt. Im Verlauf des Spaziergangs provozierten, fotografierten und drohten Nazis von zwei Balkonen aus, darunter auch der Anti-Antifa-Fotograf Christian Schmidt.

Die beiden Nazis, die sich untermischen wollten, sind aus dem anliegenden Bernau und gehören der Clique „Barnimer Freundschaft“ an, die im Sommer letzten Jahres an mehreren Angriffen auf Jugendliche, den Stand des alternativen Jugendtreff DOSTO während des Bernauer Hussitenfestes sowie das Gebäude des Jugendtreffs und weitere Orte in Bernau beteiligt waren. Sie hinterließen dabei das Kürzel „2bar5″. Im Dezember hatte sie außerdem einen Flyer verteilt, der eine unmittelbare Reaktion auf die Verteilaktion von Antifaschist_innen wenige Wochen zuvor war. Wir, die Antifa Bernau, hatten zusammen mit dem Jugendtreff DOSTO auf die Zunahme rechter Gewalt in Bernau hingewiesen. Die „Barnimer Freundschaft“ steht im engen Verhältnis zum NPD Kreisverband Barnim-Uckermark. Im November hatte die Clique gemeinsam mit der Kreisvorsitzenden Aileen Rokohl und ihrem Ehemann Andreas Rokohl eine Bürger_innenversammlung in Wandlitz, bei der es um die Einrichtung einer neuen Asylunterkunft ging, gestört (siehe Bild links).

Heute wurden nicht nur Nazischmierereien übermalt und Aufkleber abgekratzt, auch frisch verteilte NPD-Propaganda konnte aus vielen Briefkästen in Buch entfernt werden. Die veralteten Flyer stammen vom Brandenburger Landesverband der NPD und richten sich gezielt gegen die Linkspartei.

Provokation mit Ankündigung

Dass es zu Störaktionen kommen würde, war seit einigen Tagen bekannt und entsprechend wurde im Internet vor Naziaktivitäten gewarnt. Dennoch schienen weder die Organisator_innen noch die Polizei daraus Schlüsse zu ziehen. Die erfreulich hohe Beteiligung eines links-bürgerlichen Spektrums, über die üblichen Antifagruppen hinaus, kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass die mangelhafte Organisation und das fehlende Schutzkonzept den Spaziergang zur Gefährdung für die Beteiligten machte. Auf die Polizei wäre in diesem Fall kein Verlass gewesen. Diese war nicht nur kaum anwesend, sondern griff zu keiner Zeit ein um die Nazis von dem Spaziergang fernzuhalten und Ausschreitungen zu verhindern.