Oderberg: Am Nachmittag demonstrieren die Nazis. In der Nacht brennt es.

Klaus Mann am Rednerpult, unterstützt von Berliner Parteikameraden

Es ist Samstag. Die Uhr am Kundgebungsplatz zeigt fünf nach elf. Dabei ist es mittlerweile schon halb zwei Uhr nachmittags. Die Zeit ist stehen geblieben in Oderberg, der kleinen Stadt an der Oder. Langsam trudeln die Neonazis aus naheliegenden Städten wie Eberswalde oder Bad Freienwalde, aus der Uckermark, aus Oder-Spree, aber vor allem aus Berlin, ein. Klaus Mann, Brandenburger Landesvorsitzender der noch jungen Partei „Die Rechte“, hatte für den 16. November eine Kundgebung in der Mitte der Kleinstadt Oderberg, am östlichstes Zipfel des Landkreises Barnim angemeldet. Auf dem Pullover des 51-Jährigen ist das Motto der Versammlung zu lesen: „Asylantenheim – Wir sagen Nein“. Auch bei den anwesenden 32 Neonazis scheint die Zeit stehen geblieben, ihr Style gleicht dem klassische Bild der 90er Jahre: Neonazis mit Glatze, Springerstiefel und Bomberjacke.

Nazis wollen Hellersdorfer-Modell exportieren
Wie bereits am Mittwoch dieser Woche in Zepernick waren es die Neonazis des Berliner Landesverbandes der Partei „Die Rechte“, die das Bild an diesem eisigen Nachmittag prägten. Auch inhaltlich brachten sich die BerlinerInnen ein: Vorsitzender Uwe Dreisch und die ehemalige Kameradschaftsführerin Daniela Fröhlich berichteten über das sogenannte Hellersdorfer-Modell: Für die Neonazis sind die Proteste, die seit mehreren Monaten in Marzahn-Hellersdorf gegen eine Flüchtlingsunterkunft stattfinden, ein Erfolg. Ein weiterer Berliner Neonazi hetze gegen – Zitat – „Fremde“, „Schwarze“, „Zigeuner“ und „Ausländer“ in Berlin, die er diverser Straftaten beschuldigte. Er schafelte von einer vermeintlichen Überfremdung und der Übernahme der Macht durch – in seinem Worten – „Ausländer“.

Brandenburger Neonazis demonstrieren gegen Flüchtlinge in Oderberg

Kein Protest
Viele heruntergekommene leerstehende Häuser gibt es in Oderberg – dort sollen Flüchtlinge aus Syrien und Tschetschenien in verschiedenen Wohnung unterkommen. Im ganzen Landkreis ist man auf der Suche nach Orten für eine dezentrale Unterbringung von Flüchtlingen, die nur übergangsweise in Heimen in Althüttendorf oder Wandlitz untergebracht werden sollen. Während Proteste gegen die rassistische Hetze der Neonazis in Wandlitz, Bernau und Zepernick auf deutliche Ablehnung stießen und durch lautstarke Gegenproteste gestört wurden, fanden die Neonazis in Oderberg einige Zustimmung. Einige Anwohner_innen klatschetn, andere lachten gemeinsam mit den Neonazis, nur wenige zeigten ihre Missbilligung. Lediglich vier Jugendliche zeigten ihre Solidarität mit den Flüchtlingen und forderten vorbeifahrende Autos zum „Hupen gegen Nazis“ auf – immerhin ein paar Fahrer_innen drückten auf die Hupe.

Brandanschlag in der Nacht
In der Nacht zu Sonntag brannte ein Haus in Oderberg. Die Märkische Oderzeitung berichtet, dass vor Ort von Brandstiftung ausgegangen wird. Ein Zusammenhang soll es bisher nicht zu den Neonazis geben. Es wäre jedoch nicht der erste Anschlag dieser Art: Bereits in Premnitz und Beelitz wurden in diesem Jahr auf entstehende Unterkünfte Brandanschläge verübt. Auch wurden Anschläge wie im August 2013 in Luckenwalde oder im Oktober 2011 in Waßmannsdorf auf bewohnte Heime verübt.

Bilder und ein weiterer Artikel:

PNN vom 16.11.2013

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Flickr Christian Jäger

Demotix Theo Schneider