Wir sind Sarrazins Alptraum

Gebührender Empfang für rassistischen Spaltpilz am 18. September in Bernau

Das Bernauer Netzwerk für Weltoffenheit lädt am Donnerstag, den 18.09.14 ab 18 Uhr zu einer Kundgebung gegen die Lesung von Thilo Sarrazin in der Stadthalle Bernau ein. Sarrazin stellt zeitgleich sein aktuelles Buch „Der neue Tugendterror“ vor. Das Netzwerk wünscht ihm für seine Lesung: „Gegenwind statt Schweigen, Protest statt zahlendem Publikum“ und lädt alle demokratisch gesonnenen Menschen ein zu

 kreativen, friedlichen und humorvollen Protesten unter dem Motto

 „Wir sind Sarrazins Alptraum – lauter Kopftücher!“.

Ab 18 Uhr, Kundgebung am Steintor / Hussitenstraße.

 

Angebliche Tugend- und Meinungsterrorist_innen, Kopftuch tragende Mädchen und Jungs jeglichen Alters, politisch korrekte Wortakrobaten und Gutmenschen jeglicher Couleur begrüßen den schein-heiligen T.S. an der Stadthalle, „bewaffnet“ mit Plakaten, Infos und Büchern, mit Bibel- und Koranzitaten, mit meinungsterrorverdächtigen Sprüchen von Geistlichen, Künstler_innen, Zugewanderten und anderen für T.S. unmaßgeblichen Leuten“ sollen ihren Protest gegen die rassistische Stimmungsmache zeigen, heißt es im Aufruf des Netzwerkes.

Im Rahmen der Gegenproteste lädt das Netzwerk für Weltoffenheit außerdem am Montag, den 22.09. um 19.30 Uhr zu einer Buchlesung ein:

Montag, 22.09., 19:30 Uhr Buchhandlung Schatzinsel, Alte Goethestraße 2:

literarisch + radikal: „Die Ungehaltenen“: Romanlesung und Gespräch mit Deniz Utlu über Migration, Erinnern und die politische Bedeutung von Trauer. Deniz Utlu wurde 1983 in Hannover geboren, lebt in Berlin, schreibt. Er gründete das Kultur- und Gesellschaftsmagazin freitext, studierte VWL in Berlin und Paris. Die Ungehaltenen ist sein erster Roman.

Hintergrund:

UN rügt Deutschland – Thilo Sarrazins Aussagen waren rassistisch

Deutschland hat seine Bevölkerung nicht ausreichend vor rassistischen Äußerungen von Thilo Sarrazin geschützt. Das entschied der Antirassismus-Ausschuss der UNO. Die Gesetzeslage müsse auf den Prüfstand gestellt werden, fordern Menschenrechtler und Oppositionspolitiker.

Ich finde es peinlich und beschämend, dass wir das nicht im eigenen Land feststellen können, sondern warten müssen, bis die UNO uns rügt“, schreibt Bülent A. auf Facebook. Unter seinem Kommentar ein Verweis auf einen Artikel im Tagesspiegel. „Deutschland ist vom Antirassismus-Ausschuss der Vereinten Nationen gerügt worden, weil es Thilo Sarrazin dessen umstrittene Äußerungen zu Türken und Arabern hat durchgehen lassen“, heißt es dort.

Gemeint ist das Interview vom Thilo Sarrazin in der Zeitschrift „Lettre International“ im Herbst 2009.

Über die türkischen und arabischen Migranten äußerte er wörtlich: „Die Türken erobern Deutschland genauso, wie die Kosovaren das Kosovo erobert haben: durch eine höhere Geburtenrate. […] Integration ist eine Leistung dessen, der sich integriert. Jemanden, der nichts tut, muss ich auch nicht anerkennen. Ich muss niemanden anerkennen, der vom Staat lebt, diesen Staat ablehnt, für die Ausbildung seiner Kinder nicht vernünftig sorgt und ständig neue kleine Kopftuchmädchen produziert. Das gilt für 70 Prozent der türkischen und 90 Prozent der arabischen Bevölkerung in Berlin.“

 

CERD Beschluss

Daraufhin hatte der Türkische Bund in Berlin-Brandenburg (TBB) Strafantrag wegen Volksverhetzung und Beleidigung bei der Staatsanwaltschaft gestellt. Das Verfahren wurde eingestellt, zu einer strafrechtlichen Anklage kam es daher nicht. Damit war die Sache für die hiesige Justiz erledigt, die Aussagen Sarrazins freie Meinungsäußerung.

Der TBB gab nicht nach und wandte sich an den Antirassismus-Ausschuss der Vereinten Nationen (CERD). In dessen Beschluss 2013 steht: „Der Ausschuss kommt […] zu dem Schluss, dass das Versäumnis einer effektiven Untersuchung […] durch den Vertragsstaat […] eine Verletzung der Konvention (über die Beseitigung jeder Form von Rassismus) darstellt.“ Kurz: Die Aussagen von Sarrazin waren rassistisch, Deutschland hätte strafrechtliche Ermittlungen einleiten müssen.