200 Menschen gegen das DVU Sommerfest

[Inforiot] – Unter dem Motto „Feste feiern ohne Nazis – der DVU den Stecker ziehen“ demonstrierten am Nachmitttag des 20 Juni, etwa 200 Menschen in Eberswalde gegen das Sommerfest der Deutschen Volksunion (DVU) und gegen die rechte Szene in der Region. Damit folgten sie dem Aufruf verschiedener Gruppen aus dem Nordosten Brandenburgs.

Ziel war es dem Sommerfest ein deutliches Zeichen entgegen zusetzen. „Wir wollen es nicht mehr hinnehmen, dass Nazis hier ungestört feiern können, ohne das auch nur ein Bürger oder eine Bürgerin Notiz davon nimmt“ so Melanie Jonas aus dem Vorbereitungskreis. „Wir wollen ihnen zeigen, dass wir keinen Bock auf sie haben“ – „Kein Bock“ heißt es auch im Aufruf zu Demonstration: „Kein Bock auf deutsche Bratwurst, kein Bock auf Nazimucke und völkische Bräuche“.

„Uns ist klar, dass wir das DVU Fest damit nicht verhindern, aber wir wollen den Anstoß für engagierte Menschen im Ort geben, sich gegen Nazis zu positionieren“ ergänzt Jan. Er geht in Eberswalde zur Schule und spürt wenig vom dem selbsternannten „Toleranten Eberswalde“. „Toleranz heißt nicht, Nazis und ihre Ideologie zu tolerieren“, meint Jan. Auch ist er enttäuscht, dass kaum Bürgerinnen und Bürger an der Demonstration teilnehmen.

Und er hat nicht unrecht, wenige Bürger_innen nehmen Teil oder interessieren sich am Rande für den Protest. Eigentlich sind es nur Jugendliche, die auf der Straße sind.

Neben dem DVU Sommerfest ging es auch gegen die rechte Szene in Eberswalde und Umgebung und besonders gegen den Naziladen von Gordon Reinholz (ehemaliger Kopf des Märkischen Heimatschutzes). Sein Geschäft sei Ausgangspunkt für Nazi-Aktivitäten in und um Eberswalde, hieß es in einem der Redebeiträge. Enge Kontakte pflege er auch zur Kameradschaft Märkisch-Oder Barnim.

In weiteren Redebeiträgen ging es u.a. um den von Nazis im Jahr 2000 in Eberswalde ermorderten Falco Lüdtke. Auch über das NPD Gelände in Biesenthal sowie die Verknüpfung von NPD, DVU und Kameradschaften in der Region wurde inforormiert. Die Schnittstelle zwischen Parteien und Kameradschaften ist dabei Klaus Mann (DVU Vorsitzender der Landkreise Barnim, Uckermark und Oberhavel), hieß es.

Seit nunmehr 10. Jahren organisiert die DVU zur so genannten Sommersonnenwende ein Fest. Familienfreundlich mit Bratwurst, Kinderschminken und Kremserfahrt präsentiert sie sich als „Partei zum Anfassen“ (aus dem Aufruf der DVU). Unter den Gäste befinden sich dabei vor allem Nazis der Parteien NPD und DVU sowie der Kameradschafts- und Rechtsrockszene. Nicht selten kommt es zu (gewalttätigen) Auseinandersetzung unter den Gästen.

Das Fest findet zum 3. Mal auf dem Grundstück von Klaus Mann in Finowfurt statt. Zuvor diente sein Grundstück in Seefeld (Barnim) als Veranstaltungsort. Weit abgelegen und mitten im Wald konnten die Nazis von DVU, NPD und Kameradschaften ungestört feiern.

Im letzten Jahr gab es erstmals Gegenprotest – etwa 40 Menschen hielten eine Kundgebung ab und demonstrierten gegen das Fest in Finowfurt. In diesem Jahr wurden wesentlich mehr Menschen gegen die DVU aktiv: Mit Konzerten und einer antifaschistischen Demonstration sollte auf das Nazi-Fest aufmerksam gemacht werden.

„Wir sind zufrieden mit der Demonstration“ sagt Melanie nach Ende der Veranstaltung. „Es gab gute Redebeiträge, die Stimmung war super und wir haben es ein Stück weit geschafft, das Thema in die Öffentlichkeit zu tragen. Denn es gibt eine mediale Wahrnehmung, die es vorher eben nicht gab!“

Jedoch war es nicht einfach Konzerte und Demonstration umzusetzen: Das Konzert am Freitag mit „Trashcor“, „Lingerie“ und „Sub to“ sollte ursprünglich in Finowfurt selbst stattfinden, musste allerdings nach Eberswalde verlegt werden. Auf dem Marktplatz in Eberswalde war das Konzert jedoch ebenso wenig erwünscht wie in Finowfurt und so musste es schlussendlich in der abgelegenen „Chemischen Fabrik“ stattfinden. Auch die Polizei hatte für die Demonstration am Samstag übertriebene Auflagen erteilt. Die Veranstalter_innen hatten zuvor dann Widerspruch eingelegt und Recht bekommen.

Der Abend endete mit einem Konzert der Kaputt Krauts im Jugendclub Exil in Eberswalde.

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