Die KMOB war ein Flop

Das Scheitern der Brandenburger „Kameradschaft Märkisch Oder Barnim

[DerRechteRand Nr.126] Nach Durchsuchungen am 2. Juli 2010 in über 20 Objekten von Mitgliedern und Sympathisant/innen der„Kameradschaft Märkisch Oder Barnim“ (KMOB), befürchtete die Kameradschaft ein Verbot ihrer Struktur und verkündete bereits am nächsten Tag ihre Selbstauflösung.

Von Svenna Black

Unabhängig eines realen Verbots hatte sich die Kameradschaft in den vergangenen Wochen selbst ins Abseits katapultiert. Ihr Projekt, als vermeintlicher Nachfolger des „Märkischen Heimatschutzes“ (MHS), eine Kameradschaftsvernetzung für die Landkreise Märkisch- Oderland und Barnim zu schaffen, ist gescheitert. Trotz einer Vielzahl an ?bergriffen und einem ausgeprägten Demo-Tourismus war die KMOB nicht in der Lage eigene Akzente zu setzen.

Entschlossener Widerstand verhindert Nazi-Demo-Marathon
Als die „Kameradschaft Märkisch Oder Barnim“ Anfang 2010 im Nordosten Brandenburgs eine ganze Reihe von Aufmärschen plante, ahnten die Kameraden nicht, wie stark sie sich damit selbst ein Bein stellen würden. Ein überregionales Bündnis aus Antifa-Gruppen, Vereinen, Parteien, Jugend- und Studierendenverbänden, Kirchengemeinden und vielen weiteren Engagierten hatte sich zusammengefunden und als Bündnis „Brandenburg Nazifrei“ zu Blockaden und Protesten gegen die Naziaufmärsche aufgerufen. Mit Erfolg: Von den sieben angekündigten Aufmärschen, fand letztendlich nur einer statt. In Städten wie Bernau und Strausberg verhinderten Menschenblockaden nach dem Vorbild von Dresden und Berlin die Aufmärsche. Diese Form von entschlossenen Widerstand, wie ihn das Bündnis „Brandenburg Nazifrei“ den Nazis entgegenstellte, war eine für die Region neue Strategie. Es gelang das Blockadekonzept aus (der Großstadt) Dresden auf die Bedingungen von Kleinstädten zu übertragen.

Mit der Vielzahl von Aufmärschen hatten sich die Aktivisten der KMOB deutlich übernommen und mussten für die schlechte Organisierung und fehlende Inhalte harsche Kritik in der rechten Szene einstecken. Die KMOB hatte es nicht einmal geschafft, anreisende Aktivist/innen über den kurzfristig abgesagten Aufmarsch am 5. Juni in Eberswalde zu informieren und musste, trotz vieler Entschuldigungen, beim nachfolgenden Termin in Bad Freienwalde selbst auf Mitglieder und ihr enges Umfeld verzichten.

Die KMOB als oldschool Nazigruppierung
Die „Kameradschaft Märkisch Oder Barnim“ war drei Jahre lang als gewaltbereite Nazigruppierung im Nordosten Brandenburgs aktiv. Ihre Aktivitäten beschränkten sich zunächst auf die Städte Bad Freienwalde und Wriezen (Landkreis Märkisch Oderland) und die Nachbarstadt Eberswalde (Landkreis Barnim). Mit ihrer Aufmarschreihe wollte sie ihrem Vorgänger, dem MHS, nacheifern und ihren Aktionsradius auf den gesamte Nordosten erweitern.

Der massive Protest seitens antifaschistischer Kräfte in Brandenburg, die gute Recherchearbeit der lokalen Gruppen und der politische Druck, den das Bündnis „Brandenburg Nazifrei“ ausübte, machten auch die Sicherheitsorgane auf die Kameradschaft aufmerksam. Auf das Konto von Kameradschaftsmitgliedern und Sympathisant/innen gehen eine Reihe von Straftaten, darunter Körperverletzungen und Volksverhetzung sowie ein Brandanschlag auf das alternative Jugendzentrum „Maquis“ in Bad Freienwalde, das in der Nacht vom 12. zum 13. Juni 2008 niedergebrannt wurde. Als Brandstifter wurde der Freienwalder Nazi Marcel Stechert im April 2009 zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und sechs Monaten verurteilt. Auch nach der Auflösung der KMOB kam es zu weiteren Übergriffen. Einige der Aktivisten, allen voran Robert Gebhardt, stehen mittlerweile mit einem Bein im Gefängnis. Gebhardt, mehrfach vorbestraft, muss mit einem Strafverfahren wegen eines ?bergriffs auf linke Jugendliche im Juli 2010 rechnen.

Um den „Anführer“ Robert Gebhardt aus Bad Freienwalde, tummelten sich etwa 20 feste Mitglieder. Enge Verbindungen pflegten sie vor allem zur regionalen NPD, mit der sie gemeinsame Veranstaltungen organisierten und au?erdem zum Personal der verbotenen Berliner Kameradschaft „Frontbann 24“.

Ideologisch als auch optisch glich die KMOB eher einer oldschool Nazigruppierung: Texte und Kommentare auf deren Internetseite, die Symbolik ihrer Kleidung (das KMOB Logo bestand aus einem Reichsadler, der in seinen Krallen einen Kranz mit der Aufschrift „MOL“ oder „BAR“ trug) illustrierten die unverhohlene Affinität zum Nationalsozialismus .
Selbst verstand sich die KMOB als klar strukturierte Organisation mit regelmäßigen Vorstandssitzungen, Kameradschaftsabenden und eigenem Regelwerk. Jedoch zeigte sich eine deutliche organisatorische und inhaltliche Schwäche, die die Kameradschafter mit gewalttätigen Angriffen und Verbalradikalität zu verdecken versuchten. Ihre Flyer und Parolen blieben auf einem plumpen populistischen Niveau und waren weder mit Inhalten unterfüttert noch wiesen sie Strategien und Konzepte für die angeblichen gesellschaftlichen Probleme auf.

Mit dem üblichen Weg zur NPD, ist nicht nur wegen der Krise der Naziparteien in Brandenburg nicht zu rechnen (s. DRR Nr. 122). Eine lose, unabhängige Verbindung einiger KMOB-Aktivisten mit den Berliner Kameraden des Ex-„Frontbann 24“, der „Freien Nationalisten Berlin-Mitte“ und anderen Brandenburger Aktivisten hingegen ist zu erwarten.


Ausführliches Porträt der Kameradschaft:
Broschüre „Vorsicht Nazis! Informationsblatt über oder gegen die „Kameradschaft Märkisch Oder Barnim““ – kostenlos bestellbar unter antifa-bernau[at]riseup.net