Nazi- Reiterhof und ein Hilfswerk für „nationale“ Familien in Blumberg

In Blumberg, einem Ortsteil der Gemeinde Ahrensfelde im Nordosten von Berlin, sind Nazis seit Jahren ungestört am Wirken. Dort betreiben Ingo Pannier, bis 2010 aktiv im Kreisverband Barnim Uckermark der NPD sowie im Brandenburger Landesvorstand und seine Lebensgefährtin Jana Michaelis, aktiv bei der Gemeinschaft Deutscher Frauen (GDF), einen Reiterhof.

Was bereits Inforiot in einem Artikel im März 2011 über den „Märkische Familien- und Hilfswerk e.V.“ und dem nahe stehenden Reiterhof in Blumberg (bei Berlin) bekannt machte, ergänzte der Berliner Kurier im Juni in zwei Artikel um weitere Details der „braunen Machenschaften“. Wir wollen im Folgenden die Informationen zusammentragen und um neue Einzelheiten ergänzen.

Nazireiterhof von NPD und GDF-Aktivisten
Ruft man bei Versicherungsmakler Ingo Pannier an, so tönt einem gleich die Musik des antisemitischen Komponisten Richard Wagner entgegen. Pannier versorgt den NPD Verband mit Versicherungen und nutzt dafür auf offiziellem Briefpapier der VHV-Versicherung die Anrede „Liebe Kameraden“. Er gehört optisch dem Rockermilieu an, und taucht auf Fotos des Eberswalder Rocker- und Motorradclubs „Dragsäue“ auf.

Auf seinem Hof weht die Fahne des „Bund Freier Bauern“ (BFB), eine nationalistische Kleinorganisation, die keinen Hehl daraus macht, dass sie die „deutsche Landwirtschaft“ vor der Zerschlagung durch Beamte und Bürokratie schützen und sich die „deutschen Bauern“ zur Wehr setzen müssten. Die Fahne des BFB ist angelehnt an die extrem rechte Landvolkbewegung der Weimarer Republik. Das selbe Emblem mit Schwert und Pflug wurde in der Zeitschrift „Die Bauernschaft“ des 1997 verstorbenen ex-SSlers und Holocaustleugners Thies Christophersen genutzt. Auf der Internetseite des BFB wird nebenbei auch gegen Sozialdemokrat_innen und Antifaschist_innen wird gewettert.

Für die Ferien kündigt Pannier ein Lager für „nationales Reiten“. Damit die Kinder der Kameraden aus den entfernten „Gauen“ auch wirklich nur mit gleichgesinnten zusammen sind, werde zu Beginn nach „Weltanschauung und Reitkenntnissen“ getrennt. Unterstützen soll auch das Märkische Familien- und Hilfswerk – als „Geschenk an die deutsche Jugend“.

Märkisches Familien- und Hilfswerk e.V.
Im November 2010 gründetet sich der „Märkische Familien- und Hilfswerk e.V.“, als Sitz des Vereins fungiert das Grundstück samt Reiterhof von Ingo Pannier in Blumberg. Pannier ist Vorsitzender des Vereins und Ansprechpartner für die Vereinsseite, die unter dem Namen volksschutz.info läuft. Das „Hilfswerk“ hat sich der „Verteilung und Vermittlung von Sachspenden“ verschrieben, wirbt auf der Internetseite für die Sammlung von Kleidung, auch Vereinsfahrten, Wanderungen in der Natur und ein Kräutergarten seien angeblich in Planung.

Neben Pannier sind auch weitere NPD Aktivisten im Verein vertreten. Zum Vorstand gehören zwei junge Frauen aus Bernau – Aileen G. und Jenny L.. Die 23 Jährige Aileen ist sowohl im Landesverband als auch im Kreisverband Barnim Uckermark aktiv. Bis Ende 2010 war Schatzmeister des Vereins Maik Hampel aus Hennigsdorf (Oberhavel) – er ist bekannt als ehemaliger Aktivist der „Nationalistischen Front“ und der „Hilfsgemeinschaft für nationale Gefangene“ (HNG). Seine Hennigsdorfer Wohnung wurde 2008 im Zusammenhang mit dem Verbot der „Heimattreuen Deutschen Jugend“ (HDJ) durchsucht. Nach eigener Aussage ist er kurz nach Gründung des Vereins wieder ausgetreten.

Reaktionen auf die Artikel

Wie die Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) berichtet, bestreitet Jana Michaelis alle Äußerungen über sie und den Reiterhof. Während Pannier in einer Mail in der er das nationale Reiterlage bewirbt, deutlich die Verbindungen zwischen Reiterhof und Hilfswerk zeigt, streitet Michaelis eine Verbindung zwischen Reiterhof, Hilfswerk und Volksschutz ab. Absurd, so solle man sich für das Reitlager im Übrigen über die Mailadresse von volksschutz.info anmelden.

Auch der Verfassungsschutz und der CDU-Justizexperte Danny Eichelbaum sowie weitere Politiker_innen äußerten sich zum Reiterhof und dem Hilfswerk. Man beobachte den „brauen Spuk“ und fordere die Schließung des Hofes. „Die Gemeinde ist aufgefordert, schnellstmöglich zu prüfen, ob die Gewerbe-Erlaubnis entzogen werden kann“ sagte Eichelbaum gegenüber dem Berliner Kurier. Laut einem Artikel der Märkischen Oderzeitung (MOZ, vom 23.Juni 2011) wisse die Gemeinde bereits seit längerem über das Nazitreiben des Reiterhofs. Aktiv werden will man offenbar erst jetzt, wo der mediale Druck sich erhöht.

Alle Artikel:
Inforiot.de: „NPD von Innen“, 23. März 2011
Berliner Kurier: „Das Pferdeparadie der braunen Brut“, 4. Juni 2011
Berliner Kurier: „NPD-Reiterhof in der Kritik“, 4. Juni 2011
Berliner Kurier: „So lockt der braune Reiterhof Kinder in die Ferien„, 19. Juni 2011
MAZ: „Ferien im Braunen“, 21. Juni 2011
MOZ vom 23. Juni 2011